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14. Mai 2025
Eine neue Plattform für PKW sorgt in der Fachwelt weltweit für Furore: Mit der Ankündigung, bis zu 1000 kW Ladeleistung in Serienfahrzeugen zu ermöglichen, stellt BYD den Elektro-PKW Markt auf den Kopf. Doch wie realistisch ist das und was steckt technisch dahinter? Markus Erdmann, Head of Product bei Designwerk Technologies AG und Dr. Joachim Sann von der Universität Giessen, werfen einen kritischen Blick auf die Super e-Plattform und ordnen sie aus fachlicher Sicht ein. Beide Experten sind zu Gast im GELADEN Batteriepodcast und tauschen sich aus.
Mit der sogenannten Super e-Plattform verspricht der Chinesische Autohersteller BYD nicht weniger als eine Laderevolution im PKW-Bereich: 1000 kW Ladeleistung, 400 km Reichweite in fünf Minuten und ein unkaputtbares Batteriepack. 1000 kW Ladeleistung entsprechen rund 2 Kilometer Reichweite pro Sekunde! Eine technische Sensation – oder doch nur geschickte Marketingstrategie? Die Ankündigung rief gespaltene Reaktionen hervor: Bewunderung trifft auf Skepsis. „Das klingt erstmal unglaublich. Aber rein physikalisch ist das möglich – es ist technisch ambitioniert aber in Teilen tatsächlich realistisch“ erklärt Markus Erdmann von Designwerk Technologies. „Ob es sinnvoll ist, ist eine andere Frage.“
Dr. Joachim Sann, der Uni Giessen ist überzeugt „1000 kW sind keine Magie – sie ergeben sich aus einer intelligenten Anordnung kleiner Batteriezellen. Die Anzahl der Zellen wurde schlicht verdoppelt, um eine höhere Systemspannung zu erreichen.“ Dass sich kleinere Zellen schlechter skalieren lassen und deutlich teurer sind, ist dann der Preis für bessere Leistung.
Herzstück der BYD-Neuheit ist die Zellchemie – genauer gesagt die optimierte LFP-Zelle – darin sind sich Sann und Erdmann einig. Beide sehen hier den Schlüssel zur hohen Ladeleistung. Der chinesische Autohersteller hat es laut den Experten geschafft, den Innenwiderstand der Zelle signifikant zu reduzieren. Dadurch fällt beim Laden weniger Abwärme an und die Stromstärke kann bis zu 1000 Ampere deutlich höher ausfallen.
Zudem setzt das Unternehmen auf ein durchdachtes Thermomanagement. Bei diesem wird die entstandene Wärme nicht nur über die Unterseite, sondern zusätzlich über die Oberseite der Zelle abgeleitet. Erdmann bemerkt, dass das ein echtes Highlight sei. „Wir bei Designwerk wissen aus eigener Erfahrung, wie wichtig Temperaturmanagement ist – insbesondere bei LFP-Batterien.“
Ein technischer Meilenstein könnte die angekündigte Ladegeschwindigkeit von bis zu 10C sein – d.h. zehnfacher Ladestrom im Verhältnis zur Kapazität. Das wäre ein Paradigmenwechsel, denn bislang gilt die Anode als limitierendes Element. Laut Sann ist aber genau der Übergang aussergewöhnlich effizient bei BYD; also der Moment, wenn das Lithium in Graphit übergeht.
>> Nice to know: Seit 10 Jahren bereits kann man LFP-Batterien kaufen, die beim Entladen 10C schaffen – die Leistung liefert die Kathode prinzipiell. Bislang war jedoch die Anode das limitierende Element beim Aufladen.
Das Herzstück der Technologie von BYD ist die Batteriechemie, darin sind sich Senn und Erdmann einig. Beide sprechen von leistungsstarker Zelltechnologie, mit der der chinesische Autohersteller überzeugt.
„Für den PKW-Bereich ist Megawatt Charging eher eine Spielerei. Die Fahrzeuge legen im Alltag selten weite Strecken zurück. Sie transportieren auch keine schwere Last, was sich ebenfalls auf den Verbrauch auswirken würde. Im LKW-Bereich jedoch sieht das anders aus.“ erklärt Erdmann.
Designwerk begann bereits vor einigen Jahren mit der Entwicklung eines batteriegepufferten Mega Charger (MCS). Der Mega Charger soll Wege aufzeigen, wie ein Hochleistungs-Ladenetzwerk und Versorgungssicherheit Hand in Hand gehen können. LKW legen regelmässig grosse Distanzen zurück. Bei hohem Gewicht und enger Taktung im Schichtbetrieb zählt jede Minute Ladezeit. Das Mega Charging macht vor allem in diesem Bereich Sinn, laut Erdmann.
Ein zentrales Thema bei Designwerk, als auch bei BYD ist der Auf- und Ausbau intelligenter Ladeparks. Nicht überall ist ein starker Netzanschluss möglich. Deshalb könnten Pufferspeicher, die hohe Ladeströme liefern, ohne das Netz zu überlasten, eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Genau hier setzt Designwerk mit seinem Mega Charging System an: Der Mega Charger von Designwerk bietet bis zu 2,1 MWh Pufferspeicher und bis zu 1,4 MW Ladeleistung. 2024 kam das Gerät erstmals beim Kunden Galliker zum Einsatz.
Bei Megawatt Laden im PKW-Segment stellt sich schnell die Frage, wann die Kosten den Mehrwert übersteigen. Bei 600 Ampere und 800 Volt sind Ladeleistungen von bis zu 480 kW möglich. Damit lässt sich ein PKW mit 80 kWh bei optimaler Ladekurve in etwa 10 Minuten aufladen. Um die 1000 kW wie bei BYD zu erreichen, ist ein hoher technischer Aufwand nötig, der sich bis auf die Systemarchitektur auswirkt. Jede weitere Ladeleistungserhöhung steigert die Kosten enorm, verbessert jedoch nur noch geringfügig das Kundenerlebnis. Daher stellt sich die Frage, was den Kunden diese Zeitersparnis wert ist.
Bei einem LKW der hingegen 500 kWh nachlädt, kann durch das Megawatt-Laden die Ladezeit von rund 65 Minuten auf 30 Minuten reduziert werden. Damit wird die Verfügbarkeit und der Energiedurchsatz der Ladestation erhöht und die wertschöpfende Zeit des LKWs gesteigert. Zudem ist die Umsetzung durch den deutlich grösseren Energiegehalt der Akkus einfacher, da die Belastung je Zelle geringer ist.
In der Diskussion bleibt offen, wie sich das Schnellladen langfristig etablieren könnte. „Manche setzen auf Quantität – viele Ladepunkte mit moderater Leistung – andere auf Qualität also eher weniger, dafür sehr leistungsstarke Stationen“, so Sann. „In Ballungsräumen könnte das Konzept des Schnellladens mit einem Megawatt neue Zielgruppen ansprechen.“
„Auch Ladeparks am Stadtrand, wo Menschen ihr Auto einmal wöchentlich rasch vollladen, und so genug Energie für eine Woche tanken, sind ein denkbares wie nachhaltiges Szenario“, so Erdmann. Das wäre ein völlig neue Nutzungskonzept und könnte der E-Mobilität ganz allgemein einen entscheidenden Schub verleihen.
Mega Charging ist kein Zukunftsthema mehr. Während in der Politik noch über 350 kW-Laden diskutiert wird, bringen Unternehmen wie Designwerk für E-LKW und BYD im PKW-Bereich Lösungen auf den Markt, die die Ladezeit revolutionieren.
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