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Zum zweiten Mal organisierte der Automobile Club de Monaco die e-Rallye Monte-Carlo, die elektrische Ausgabe der legendären Rallye. Mit der Startnummer 8 war das Team der e-Lime GmbH unterwegs, welches von der Designwerk GmbH unterstützt wurde.

Gastbeitrag von Alexander Gabard und David Tschan der e-Lime GmbH

Die „Monte“ wirft ihre Schatten weit voraus… Wie muss man das Auto vorbereiten? Welche Ausrüstung wählen? Feuerlöscher, Helm, Reserverad – haben wir an alles gedacht? Und natürlich die Schlüsselfrage: wie und wo laden wir das Auto? Denn der Weg ist weit: nebst der Rallye an sich müssen auch An- und Rückreise geplant werden.

Dank der Erfahrung der letztjährigen Teilnahme wussten wir, dass wir alle Möglichkeiten abdecken sollten. Aus diesem Grund haben wir uns ein Schnellladegerät der Designwerk GmbH ausgeliehen, das MDC22. Wir versprechen uns davon einen entscheidenden Vorteil.

Dank des gut ausgebauten Ladenetzes entlang den französischen Autobahnen, gestaltete sich die Anreise nach Fontainebleau bei Paris problemlos. Bereits am nächsten Tag geht es los: Administrative Kontrolle, Beschriften des Fahrzeugs mit Startnummern und Sponsoren, technische Abnahme und Installation des GPS der Rennleitung, mit dem die Zeitmessung während den Sonderprüfungen erfolgt.

E-Rally Monte Carlo Fahrzeuge

Ein erster Augesnschein zeigt: Es sind 37 Teilnehmer, davon drei Toyota Mirai mit Wasserstoff-Antrieb. Somit sind es 34 elektrisch angetriebene Fahrzeuge, die sich die Ladesäulen untereinander streitig machen werden… Das könnte ein Problem werden.

Dann geht es los: um 14 Uhr startet der erste Teilnehmer, die Fahrt geht nach Süden. Wir haben 26 Stunden, um die 600km zwischen Fontainebleau und Onet-le-Chateau zu bewältigen. Wie erwartet, beginnt der Stau an der ersten Ladestation… Bald stehen sieben Fahrzeuge Schlange. Aber dank einer tiefen Startnummer sind wir vorne mit dabei und müssen kaum warten.

Während einige Teams die Nacht durchfahren und frühmorgens bereits am Ziel ankommen, entscheiden wir uns, unsere Kräfte zu schonen und im Hotel zu übernachten. Dank Ladestation im Hotel, können wir morgens mit voller Batterie losfahren.

Aber bald wieder erscheint ein bekanntes Problem: Die angepeilte Ladesäule wird durch einen unserer Mitstreiter besetzt, und dies mangels Schnellladung für die nächsten fünf Stunden. Eine kurze Berechnung später entscheiden wir uns, weiterzufahren und uns an der übernächsten Ladestation anzuschliessen. Nach einem langen Aufstieg auf der Autobahn, welcher zusätzliche Reichweite kostet, treffen wir trotz allem wohlbehalten dort ein und finden die Ladestation frei und zum Laden bereit vor. Was für eine Erleichterung!

Die restliche Reise gestaltet sich dann problemlos, wir kommen rechtzeitig in Onet-le-Chateau an und reihen uns ein, denn es wird eine Ankunft auf die Minute genau verlangt, ansonsten gibt es Strafpunkte!

Das Laden findet diesmal im „Parc Fermé“ der Rallye statt, während wir direkt ins Hotel gehen. Der Start ist für morgens 6 Uhr angesetzt, da heisst es früh aufstehen! Vorher aber heisst es, die nächsten Abschnitte der Rallye zu planen. Gefordert wird eine Runde auf der Rennstrecke in Alès, wobei der Weg dorthin bereits 200km beträgt; dann eine Sonderprüfung in der dortigen Region, worauf der Weg nach Osten beginnt. Nach einer zweiten Sonderprüfung ist eine Unterbrechung der Fahrt zwischen 23 Uhr und 6 Uhr vorgeschrieben, worauf zwei weitere Prüfungen in der Region um Aix-en-Provence stattfinden. Abschliessend wird für diese Etappe eine Ankunft in Monaco spätestens um 15 Uhr verlangt. Das könnte knapp werden…

E-Rally Monte Carlo Sonnenaufgang

So geht es im Morgengrauen los, im Wissen, dass es einmal mehr lange Schlangen an den Ladestationen geben könnte. Nach einem kurzen Blick auf die Karte entscheiden wir uns deshalb, den Weg „untenherum“ über die Autobahn zu wählen. Dieser ist zwar etwa 60km länger, weist aber eine grössere Zahl an Ladestationen auf und dürfte nur von wenigen Mitstreitern als Route gewählt werden.

Unsere Strategie geht auf; wir finden freie Ladestationen und kommen ohne Probleme bis zur Rennstrecke. Da wir letztes Jahr – auf einer anderen Rennstrecke – diese Prüfung gewonnen und so einen Pokal mit nach Hause gebracht hatten, haben wir uns viele Gedanken gemacht, ob wir es denn dieses Mal wieder in die vorderen Ränge schaffen würden. Aber die Voraussetzungen sind komplett anders und diesmal nicht zu unserem Vorteil; da wir viel zu früh an der Ziellinie sind und somit die ideale Zeit um mehrere Sekunden verpassen, wird es dieses Jahr nichts mit einem Podestplatz…

Nun denn, es gilt weiterhin sowenig Abweichung wie möglich zu erreichen. Die Rallye ist nämlich auf Gleichmässigkeit aufgebaut; dies bedeutet, dass für eine definierte Strecke eine genaue Durchschnittsgeschwindigkeit eingehalten werden muss, zum Beispiel 36,9 km/h. An definierten Wegpunkten wird die Durchfahrtszeit per GPS gemessen, wobei jede Sekunde Abweichung einen Strafpunkt bedeutet.

E-Rally Monte Carlo Sonderprüfung

Danach sind wir zuversichtlich, ein gutes Resultat erreicht zu haben; dank der fast sofortigen Publikation der Resultate werden wir aber eines Besseren belehrt. 200 Sekunden Abweichung! Das kann doch nicht sein… Nach kurzer Betrachtung der genauen Messwerte und unserer Einstellungen finden wir einen Fehler in der Kalibrierung unseres Messgeräts. Dieser ist schnell korrigiert, aber die Strafpunkte sind bereits auf unserem Konto.

Mit der neuen Einstellung erreichen wir in der nächsten Prüfung eine Punktezahl von 20, was uns viel besser gefällt… Immerhin wissen wir nun, dass wir korrekt messen.

Gross ist danach das Gedränge an der Ladestation unseres Hotels; andere Teams möchten auch laden und brauchen viel Zeit. Wir aber haben das MDC22 dabei und können dank Schnellladen die Ladestation bereits nach kurzer Zeit anderen überlassen.

Am nächsten Tag geht es im Dunkeln los zur nächsten Sonderprüfung; kleine, schmale Strassen im Französischen Hinterland fordern den Fahrer mit engen Kurven und steilen Abschnitten. Schwierig, da den vorgegebenen Durchschnitt zu halten!

Nun stellt sich die Frage der Batterieladung… bei 39% Rest zögern wir, die zweite Prüfung gleich danach zu fahren und entscheiden uns für eine Zwischenladung. Leider gibt es in der Region nur eine einzige Ladestation! Aber unsere Überraschung ist gross, als wir eintreffen: keine endlose Schlange von wartenden Autos, die Ladestation ist frei! Was für eine Erleichterung.

E-Rally Monte Carlo Schnellladen

Nun kommt unsere „Geheimwaffe“ wieder zum Einsatz: Dank dem Schnellladegerät der Designwerk GmbH reduzieren wir unsere Ladezeit von 3 Stunden auf 45 Minuten und können so rechtzeitig zur nächsten Prüfung starten. Diese ist zwar weniger schmal und kurvig als die vorherige, bei einem vorgegebenen Durchschnitt von 47,1 km/h aber nicht weniger anspruchsvoll.

Danach ist der geradlinigste Weg wieder nur mit wenigen Ladestationen ausgestattet; wir entscheiden uns deshalb für die unkonventionelle Route durch die Berge, fahren nach Grasse und werden mit einer freien Ladestation belohnt. So kommen wir rechtzeitig in Monaco an.

Entspannt schliessen wir unser Auto im Parc Fermé an und geniessen das Hotel direkt gegenüber. Es bleiben uns nur ein paar Stunden zum Ausruhen, danach geht es auf die Legendäre Nacht des Turini! Ein zwischenzeitlicher Abgleich der Resultate zeigt Abweichungen von 11 und 24 Sekunden bei den morgendlichen Prüfungen, womit wir sehr zufrieden sind.

Um 21 Uhr ist es soweit; wir starten. Die Nacht wird lang, vier Stunden sind angesetzt für 130km und zwei Sonderprüfungen in den französischen Alpen. Ausserdem ist der gesamte Weg genau vorgeschrieben, der Navigator muss also gut aufpassen.

Ab Sospel beginnt die erste Prüfung. Ein Schnitt von 38,2 km/h ist zu halten, ein hoher Wert auf diesen schmalen, kurvigen Strassen! Gas, Bremse und Reifenquietschen wechseln sich ab.

Ein von der Rallye unabhängiger Unfall auf der Strecke zwingt die Rennleitung, die zweite Sonderprüfung abzusagen. So geht es also ein wenig früher als erwartet zurück nach Monte-Carlo.

Nach und nach werden die Resultate aufgelistet; als unsere Startnummer aufkommt, sind wir enttäuscht. Wir konnten unsere guten Leistungen nicht wiederholen und haben eine Punktzahl von 86 erreicht, viel mehr als gewünscht. Da müssen wir wohl noch etwas üben für nächstes Jahr…

Am Ende erreichen wir trotzdem Platz 18 von 37, sowohl zufrieden als auch enttäuscht, aber sehr motiviert für die nächste Rallye.

E-Rally Monte Carlo MDC22 schnellladen

Der Rückweg gestaltet sich dank dem Schnelladegerät im Kofferraum wiederum problemlos; als wir in einer Region ohne CHAdEMO-Ladesäulen unsere Batterie laden möchten, geht das Schnelladen dank dem MDC22 ruck-zuck und wir können weiterfahren.